Will jemand wissen, wie es mir nach einer durchgewälzten Nacht und in immer noch aufgewühltem Zustand geht?
Was soll ich sagen? Es ist ja jetzt amtlich; RWE hat den ersehnten Aufstieg
verpasst…nein…eigentlich hat man ihn fast schon verschenkt.
Sorry für die Ausdrucksweise; aber ich sehe es so.
Dieses Jahr ist es nämlich anders, als bei der letzten „Enttäuschung“ vor 2 Jahren unter Dabrowski.
Da hat man ein bißchen am Aufstieg schnuppern dürfen, war aber nicht ansatzweise so dicht dran,wie in diesem Jahr.
Dieses Jahr hat RWE – um mal in der Sportart zu bleiben – einen Meter frei vor dem leeren Tor gestanden und kläglichst vorbei geschossen.
Jetzt ist ja so mancher Fan trotz des finalen Scheiterns zufrieden oder sogar stolz auf die Saison insgesamt.
Das ist ok, und wenn man mag, kann man das so sehen. Ich kann mich dem leider nicht so wirklich anschließen, weil meine Gefühlslage derzeit eine andere ist.
So kurz vor dem Ziel alles zuvor erarbeitete in unerklärlicher Art und Weise wieder aus der Hand gegeben zu haben, übertüncht für mich fast alles, was es in dieser Saison an Positivem gegeben hat.
Eins muß man RWE dabei aber absolut zugestehen; einen Sinn für das Dramaturgische hat man wirklich.
Es ist ja nicht so, dass RWE „vorhersehbar“ nur negative Erwartungen erfüllt hat.
Das kann ja jeder und wäre entsprechend viel zu billig gewesen.
Nein…erst Euphorie schüren, dann ein Wechselbad von Höhen und Tiefen durchlaufen, um letztendlich doch noch von Wolke 7 abzustürzen und wieder zu enttäuschen…so geht das bei RWE…
RWE wurde ja vor der Saison zum Favoritenkreis gezählt und ist dem ja mit dem dritten Platz in der Endabrechnung durchaus gerecht geworden.
Vor der Saison hätte wohl jeder RWE-Fan diese Platzierung gerne angenommen.
Aber was interessiert mich der dritte Platz, wenn man 4 Spieltage vor Schluss auf dem 2. Platz steht und alles, wirklich alles, selbst in der Hand hat.
Ganz ehrlich; ich hatte nach Cottbus gewisse Befürchtungen, aber nicht wirklich erwartet, was dann passiert ist.
Dann kam nämlich Saarbrücken und danach ist man nach Stuttgart gefahren …..der von den Verantwortlichen geprägte Begriff „Systemabsturz“ trifft es ganz gut….
Als Berufspessimist habe ich anschließend nicht damit gerechnet, dass RWE sich derart grandios und dramatisch mit dem Krimi am letzten Spieltag noch Platz 3 holen würde….umso mehr habe ich mich darüber gefreut….
Und dann?…dann kam ein absoluter Höhepunkt mit dem traumhaften und einzigartigen Erlebnis im Heimspiel gegen Fürth, und ich habe mich noch mehr gefreut und gehofft….zu früh bzw.vergebens…es gab ja noch ein Rückspiel…
Ja, Fürth war da die bessere Mannschaft, aber RWE musste drei Tore machen .MUSSTE…
Am Ende stand die Null aber auf der falschen Seite.
Um eins aber klar zu stellen und um hier keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen; auch wenn mein Frustgelaber sich so anhört, aber ich möchte eigentlich niemandem einen Vorwurf machen.
Wir reden hier nicht von Real Madrid, sondern von einem Drittligisten, dessen Spieler nicht perfekt sein können.
Alle im Verein haben über die gesamte Saison alles gegeben und rausgehauen was drin war.Davon bin ich fest überzeugt.
Und ja, ich hatte natürlich im Laufe der Saison sehr viele schöne Momente.
Das ändert aber nichts daran, dass ich aktuell auf der goldenen Ananas herum kaue.
Ach so; die Frage war ja, wie es mir geht…tja, es geht so… mittlerweile bin ich wohl zu alt und zu träge und aufgrund zu vieler Nackenschläge in der Vergangenheit zu abgestumpft, um mich noch groß aufzuregen.
Es hat halt einen gewissen Gewöhnungseffekt, immer wieder einen Tritt in die Weichteile zu bekommen.
Ich weiß nicht, ob es noch einen Verein gibt, bei dem Pech und Unvermögen über Jahrzehnte eine so unheilvolle Allianz eingegangen sind, wie bei RWE.
Was soll’s also…es ist wie es ist, und nächste Saison latscht man wieder ins Stadion.
Es bleibt – mit banger Spannung – abzuwarten, mit welchen Spielern und entsprechend welcher Qualität RWE in diese Saison gehen wird.
Etliche Abgänge von bisherigen Leistungsträgern sind zu befürchten.
Mal sehen; wenn sich die sportliche „Wellenbewegung“ nach dem Wiederaufstieg vor 4 Jahren so fortsetzen sollte, werden wir in der kommenden Saison vielleicht wieder mit einem spannenden Abstiegskampf beglückt…wer weiß…
Und in dem Zusammenhang mal so nebenbei; RWE hat ja nicht nur ein recht sicheres Händchen für Dramatik, sondern auch dafür, seine Pleiten auch terminlich immer perfekt zu setzen.
1967, zum 60jährigen Vereinsjubiläum, ist RWE erstmals aus der Bundesliga abgestiegen.
1977, zum 70jährigen Vereinsjubiläum, hat man den letzten Abstieg aus der Bundesliga vollzogen.
1997, zum 90jährigen Vereinsjubiläum, ist man mal eben zwischendurch wieder aus der 2. Liga abgestiegen.
Und 2007, zum 100. Vereinsjubiläum, hat man den Feierlichkeiten mit dem bisher letzten Abstieg aus der 2. Liga die Krone aufgesetzt.
Nächstes Jahr feiern wir übrigens unser 120. Vereinsjubiläum…vielleicht finden sich bei RWE ja ein paar kreative Köpfe, die sich für diesen Anlass mal was neues einfallen lassen….
Falls jetzt jemand aufgrund dieses Beitrages die Vermutung haben sollte, dass ich trotz aller
Altersträgheit den Kaffee aktuell total auf habe…da liegt er absolut richtig.

Falls wer wissen möchte, wer ich bin…
Ich heiß zwar nicht wirklich so, werd aber seit Jahrzehnten nur „Manni“ genannt. Seit Jahrzehnten bin ich auch RWE-Fan, und meine ersten „Erfahrungen“ als solcher hätten mir eigentlich eine Warnung sein sollen.
Mein erstes Erlebnis an der Hafenstraße war ein trostloses 0:3 gegen Hertha BSC am 01.05.1971.Ein paar Wochen später durfte ich dann „meinen“ ersten Abstieg mit RWE verarbeiten. Ein Jahr später ging es dann in die Aufstiegsrunde, wo RWE aufgrund des schlechteren Torverhältnisses an Kickers Offenbach gescheitert ist.
Tja, so fing es an…für einen damals 12 bzw. 13jährigen Knilch schon ziemlich traumatisch.
Da hätte man noch „wechseln“ können. Aber ehrlich gesagt, war ich seit dem 01.05.1971 trotz des 0:3 hin und weg und diesem Verein verfallen.Außerdem waren meine Anfänge bei RWE in gewisser Weise auch eine perfekte Vorbereitung auf das, was mich in den folgenden 55 Jahren erwarten sollte.
Einzelheiten erspar ich mir und jedem Leser hier.
Obwohl…es gab durchaus auch schöne Tage für mich mit RWE.
Also…weiter geht’s….nur der RWE
Worte aus tiefster Seele.
Danke Manni für den hervorragenden Lesestoff.
Toller Beitrag. Aber getz ma ährlich. Anderer Text hätte allen gefallen.
Hoffen wir mal auf eine etwas bessere Kaderzusammenstellung mit Spielern, die UK auch wollte / will.
Sonst endet das wie bei Mause, Martinovic, Schmidt, Owusu oder Obuz
Danke Manni. Du sprichst mir aus der Seele. Aber ich schau nach vorne und auch ich bin einer der das positive aus der Saison zieht. Eben weil es für mich besser ist als immer noch das negative mit mir rumzuschleppen. Ich bin mir auch sicher, daß wir das Spiel als normales Drittligaspiel gewonnen hätten. Deswegen bin ich froh wieder eine Saison ohne VAR zu spielen. Zumal wir schon mal gegen Holzbein Kiel trotz Videobeweis, wo wir für die Installation 20 000 Euro bezahlen mussten, benachteiligt wurden.
Wie heißt es gerne mal in einem RWE- und/oder Ruhrgebietsspruch:
Am Ende kackt die Ente.
Hat sie dieses Mal auch, allerdings hatte sie leider Durchfall.
Dein Beitrag entspricht auch meiner Gefühlslage.
Klasse Kommentar, Manni! Danke! Ich denke ähnlich, sogar sehr ähnlich, Gemeinsames Leid ist 1/2 Leid! Nur der RWE!