Sonntag, 11.04.2026 – 14:00 Uhr
Aufstellungen
RWE:
Golz – Hofmann (77. Hüning) – Rios-Alonso – Schultz – Kostka – Gjasula – Müsel – Brumme (71. Obuz) – Abiama (87. Safi) – Mizuta (87. Reisig) – Janssen (71. Cuber-Potocnik)
FC Ingolstadt 04:
Eisele – Maljojoki – Fröde – Antzoulas – Deichmann (83. Rosenlöchner) – Beschuschkow (90. Bagaric) – Carlsen (61. Plath)– Christensen (83. Kügel) – Coustly – Kaygin (61. Sturm) – Drakulic
Tore: 1:0 Abiama (19.) 1:1 Maljojoki (28.) 2:1 Hofmann (47.) 3:1 Gyasula (90.+2) 4:1 Cuber-Potocnik (90.+5)
Zuschauer: 17.517
Lange lag die schlechte Laune wie Mehltau über der Hafenstraße, erst nach dem Auswärtssieg bei der Vicky aus Köln entwickelte sich eine gewisse Euphorie, die dann nach dem hochverdienten Sieg gegen die gestreiften Ponys zu ersten Mal seit dem Auftaktspiel gegen 1860 Fahrt aufnahm. Jetzt also nach sechs (!!!) Siegen in Folge gegen die Audi-Städter.
Die 17.500 Essener feierten am Ende einen aus meiner Sicht auch in der Höhe hochverdienten Dreier und festigen damit den 2.Platz.
Eine kleine Überraschung gab es schon vor Anpfiff, für den leider verletzten Bouebari lief Kostka auf dessen Position auf und machte dies im Gegensatz zur ersten Viertelstunde in Schweinfurt sehr ordentlich. Wie schon gegen die Zebras machte unsere Truppe von Anfang an Druck und holte sich in den ersten fünf Minuten drei Ecken raus, gefährlich wurden diese allerdings nicht wirklich. Ingolstadt überstand diese erste Druckphase und schwamm sich ein wenig frei, in der 19. Minute ging es dann allerdings schnell in die andere Richtung, für die Ingolstädter Defensive offensichtlich zu schnell. Ballgewinn im Mittelfeld durch Brumme, Diagonalball auf Abiama, eine Ballannahme zum Zungeschnalzen, den Ball vom rechten auf den linken Fuß und großartig ins lange Ecke geschlenzt, fast schon ein Gesamtkunstwerk. Aber wie so oft ließen wir wieder zuviel defensiv zu, insbesondere die Ecken der Ingolstädter waren brandgefährlich. Erst bugsierte der Finne Maljojoki unseren Goalie ins Tor, wenig später allerdings auch den Ball. Danach verflachte die Partei ein bisschen, einziger wirklicher Aufreger war dann die gelbe Karte gegen Brumme in der 43. Minute, was wie eine Fehlentscheidung des Schiris aussah, entpuppte sich als ein wenig Gnade vor Recht für Brumme, die offene Sohle gegen Antzoulas war schon grenzwertig, aber möglicherweise dem Foul an Brumme selber geschuldet. Daher ging es auch mit Freistoß für uns weiter, aber in Cottbus leider ohne Brumme.
Nach dem Wechsel machten unsere Jungs direkt wieder mehr Druck und in der 47.Minute das nächste Zaubertor – Hofmann flankt, aber nicht in den Strafraum sondern über den schlecht postierten Eisele direkt ins Tor. Absicht, Zufall? Uninteressant, Hauptsache 2:1!
Danach suchte unsere Mannschaft die Entscheidung, aber leider nicht in letzter Konsequenz, die größte Chance hatte Cuber-Potocnik, der Abiamas Flanke gegen die Laufrichtung von Eisele drückte, aber leider nur das Gebälk traf. Da das erlösende 3:1 nicht fallen wollte und die Audi-Städter bei den Eckbällen immer wieder gefährlich wurden, wurden die Fingernägel vom Kauen auch immer kürzer. Bis in der zweiten Minute der Nachspielzeit Gyasula offensichtlich die Nase voll hatte und aus halblinker Position die Kugel Richtung Tor drosch und der Ingolstädter Verteidiger das Ding in die Maschen ablenkte, pure Erleichterung! Der 7. Streich in Folge war eingetütet. Cuber-Potocniks 4:1 war dann am Ende noch die Kirsche auf der Torte.
Ein wirklich hochverdienter Sieg, der erneut auf einer geschlossenen Mannschaftsleistung beruht, der breite Kader scheint tatsächlich gegen Ende der Saison die Trumpfkarte zu sein. Ausfälle können ohne wirklichen Qualitätsverlust kompensiert werden und die Auswechselungen führen ebenfalls nicht zu einem Bruch im Spiel, sondern bewirken oft das Gegenteil. Hinzu kommen in jedem Spiel 2 – 3 Spieler, die den Unterschied machen. Gestern waren das aus meiner Sicht der überragende Abiama und Hofmann.
Mal schauen wer es nächste Woche sein wird.

Gut, dann will ich mal etwas über mich erzählen.
Der Weg zu RWE war im Grunde schon durch Geburt vorgegeben, war wohl Schicksal, wenn man in ca. 1.000 Meter Luftlinie zur Hafenstraße 97A geboren wird und aufwächst.
Meine ersten Begegnungen mit unserem Verein geschahen also zu Zeiten, als es noch die kleine Gruga und den Minigolf-Platz gab. Fußball wurde jederzeit und jeder Ort gespielt, meist zum Ärger der Nachbarn, die gerade vonne Nachtschicht kamen. Störte uns aber herzlich wenig. Der Ball donnerte trotzdem im Minutenabstand gegen das Garagentor, Schluss war erst, wenn der Ball in der angrenzenden „Köttelbecke“ landete. Da ich meistens im Tor stand, war die Gefahr, die Kirsche am nächsten Auffanggitter rausholen zu müssen, ziemlich gering. Irgendwie war ich schon immer ein clever Kerlchen.
Und dann waren da diese Gesänge, die Samstag nachmittags ab spätestens 15.30 Uhr zu hören waren – mal unterbrochen durch einen urwüchsigen Torschrei oder ein knarziges Raunen. Tor für RWE oder knapp vorbei. So habe ich in den 60zigern meine ersten RWE-Spiele verfolgt.
Je älter ich wurde umso größer wurde natürlich der Wunsch, das Ganze auch mal „live“ (ich glaube, dieses Wort gab es damals noch gar nicht) zu erleben. Das erste Mal war es dann wohl 1969 bei einem Spiel der Aufstiegsrunde, Gegner und Ergebnis sind mir leider nicht mehr parat – man wird ja nicht jünger.
Danach wurde es dann regelmäßiger, denn es galt damals noch die Regel, dass ein Erwachsener ein Kind umsonst mit ins Stadion nehmen durfte. „Onkel, kannst Du mich mit rein nehmen?“ war wohl die erste Frage meines Lebens, die ich fehlerfrei beherrschte.
Und dann spielte unser Verein nach mehreren Auf- und Abs, auch mal mehr als eine Spielzeit in der Bundesliga, die Spielzeit 75/76 werde ich nicht vergessen, was für eine grandiose Mannschaft – Blasey, Rynio – Wörmer, Neues, Lorant, Dörre, Bast, Fürhoff, Burgsmüller, Lippens und natürlich der aufgehende Stern Hrubesch. Klasse Spiele, tolle Siege – am Ende aber knapp an der UEFA-Cup-Quali gescheitert. In der nächsten Saison begann der langsame Abstieg. Freude machte in dieser Abstiegssaison eigentlich nur dieser kleine Däne auf rechts – wie hieß er noch: Lund, Flemming Lund!
Leider gab es danach von wenigen Ausnahmen (Aufstiegsspiele, Pokal-Finale und diverse Pokalschlachten) abgesehen nur noch selten richtig Freude, Tränen dafür umso mehr. Aber trotzdem immer wieder hin, auch weil es anne Hafenstraße so viele tolle Typen gibt. Viele gehörte Dialoge und Szenen kriegt kein Drehbuch-Autor besser hin. „Ruhrpott at his best!“
Schön, dass es mir gelungen ist, auch den Nachwuchs und den Rest der Familie zu infizieren.
Neben meiner Frau (1.Stelle), meinen Töchtern (2.Stelle) und RWE gilt meine vierte große Leidenschaft der Musik – hangedengelt, live und in Farbe – und mit UU-Kappe.
Wirklich klasse geschrieben.
Danke für den tollen Text.👍🇮🇩
Uwe Uwe Uwe
Immer wieder schallt es auf der Rahn!!!!!!!!!!!
Zurecht!
Toller Bericht, als wenn man dabei gewesen wäre.
Danke Danke
@flemming-lund